DESIGN. PICTURE. BRUSHES.
Sprachschluderei

Aus aktuellem Anlass ein kleiner Exkurs zum Thema Sprache - für alle Sprachkünstler und Wortklauber, die das Wort "effizient" penetrant und unverständig mit dem Wort "effektiv" verwechseln:

"Die beiden Herren an der Haustür habe ich effektiv verscheucht - mit effizienten Mitteln." (Übersetzt: Die waren tatsächlich weg - dank wirksamer Methode.)

Effektiv heisst, eine Aufgabe zu lösen oder ein Ziel zu erreichen - ohne Berücksichtigung des dafür nötigen Aufwands.

Effizient heisst, eine Aufgabe mit möglichst geringem Aufwand schnellstmöglich und gründlich zu erledigen bzw. ein Ziel zu erreichen.

Für Nicht-Lateiner: efficere = bewirken, eine Tat ausführen, hervorbringen, durchsetzen.

(Der Unterstellung, Sprachschluderei ginge mir beträchtlich auf die Nerven, löse sofortigen Widerspruch und gelegentliche Anfälle von Klugschei*erei aus, mag ich an dieser Stelle nicht gänzlich widersprechen.)

8.2.08 10:45


Soap Opera II

Aus der beliebten Serie „Heiterer Alltag“:

Klingeln. Vor der Haustür zwei junge Herren, Anzug, Krawatte, Aktentasche. Unterwegs in missionierender Absicht.
Die Herren, unisono: „Guten Tag, wir würden uns gerne mit Ihnen über Gottes Wort unterhalten.“
„Aha.“ Die Herren, wiederum unisono: „Hätten Sie einen Moment Zeit für uns?“
„Gerne – wenn es Ihr Modell auch in umgekehrter Version gibt?“ Die Herren nicht unisono, aber synchron: "...??????“ Ratloser Blick, Klappe, die erste.
„Nun ja – polygame Gesellschaftsformen beziehen sich doch immer auf das Konstrukt „ein Mann – mehrere Frauen“. Gibt’s das auch andersherum?“
Die Herren, synchron: „....???????????????“ Erneut ratloser Blick der beiden - erst zu mir, dann zueinander. Achselzucken. Auch unglaublich synchron.
„Also ich persönlich hätte gerne mehrere Männer – geht das bei Ihnen?“
... folgt stehenden Fußes sofortige, wortlose und von riesigen Staubwolken umwirbelte Flucht beider Herren. Völlig synchron und im Gleichschritt.

Nachtrag: Die betreffende Religionsgemeinschaft hat sich – gemäß ihrer offiziellen Verlautbarungen – von der Idee polygamer Sozialstrukturen distanziert. Und nicht, dass mir hier jemand unterstellt, ich neigte etwa zu Vielmännerei oder merkwürdigen Moralvorstellungen! Ich reagiere nur hochgradig allergisch, überaus neurotisch, schlecht gelaunt und völlig unreflektiert auf Missionierungsversuche, wie und von wem auch immer. Insbesondere frühmorgens an der Haustür.

7.2.08 11:01


Zufall

Unlängst tauchte die Frage auf, ob Kunst mit "Zufall" in Verbindung zu bringen sei. Warum nicht? "Zufällig" etwas sehen, das ist keinesfalls zufällig - sondern ein Moment der sinnlichen Wahrnehmung, ein Puzzle aus tausenderlei Emotionen, Gedanken, Gerüchen und Klängen. Das Auge, in anderer Stimmung vorüber geschweift, ohne wirklich zu sehen, hält fest, bleibt auf etwas ruhen, sieht. Ebenso "zufällig" entwickeln sich Assoziationen zum Gesehenen. Aus bloßen Gedankenfragmenten, die manchmal diffus dahin mäandernd, entwickeln sich unverhofft Strukturen und Zusammenhänge, geprägt von eigener Erfahrung und eigenem Erleben, fügen sich zu Neuem. Ebenso "zufällig" dahingekritzelte Skizzen, aufs Papier geworfen, einen flüchtigen Moment einfangend, als Vorarbeit zu einem durchdachteren, durchkomponierten Werk.

Um mit Einstein zu sprechen, der dem blinden Zufall stets widersprach - allerdings aus mathematisch präziser Sicht des Wissenschaftlers: "Gott würfelt nicht."
Nein, ich glaube nicht an Zufall. Höchstens an ... richtige oder falsche Momente.

6.2.08 09:04


Kunst-Stücke II

Bei Kunst angelangt, bei den Bildern im Kopf und dem unausgesprochenen Gedanken, zu Pinsel, Farbe und Leinwand zu greifen, um das schnöde Kugelschreibergekritzel auf Zettelchen (beim Telefonieren beispielsweise) durch Farbprächtigeres zu ersetzen: Wie wär's damit?
5.2.08 08:32


Kunst-Stücke

Sieben "Liebesbriefe in Bildersprache" schenkte der Maler seiner großen Liebe, nur sechs haben die Eifersucht des Ehemannes überlebt, der den siebten "Brief" kurzerhand ins Feuer warf. Zwischen 1912 und 1914 bemalte Oskar Kokoschka für seine Geliebte Alma Werfel sieben Fächer, die die Amour fou der beiden illustrieren. Der schönste, an- und berührendste "Liebesbrief" ziert den dritten Fächer, der auf die gemeinsame Italienreise des Paars anspielt - und später für das Gemälde "Die Windsbraut" als Vorlage diente. Alma schmiegt sich zärtlich an Oskar, schläft geborgen, hingegeben im Arm des Geliebten, während er offenen Auges unruhig um sich zu blicken scheint, den Schlaf der Angebeteten beschützend.

Welch überaus symbolträchtiger Gegenstand, um ihn voller Liebe bemalt zu verschenken! Ein Fächer, damals wie heute ein Accessoire voller Eleganz und Anmut. Gedanken an galante Gesten wie den formvollendeten Handkuss , der heute leider verschwunden scheint, ebenso wie dessen Nuancen von Verehrung bis Begehren. Dazu die Fächersprache, kokettes nonverbales Geplänkel, das es angeblich zu lernen galt. Das bezaubernde Musée de l'Eventail in Paris - und ein fast ausgestorbenes Handwerk: Das der Fächermacherin, nicht nur von Anne Hoguet in ihrem Pariser Atelier ausgeübt, sondern auch von Olivia Oberlin in Strasbourg virtuos beherrscht und mit ungewöhnlichen Materialien modern interpretiert.

4.2.08 08:18


Astronomie

Sternguckerins "Lieb-Link" - jeden Tag ein Bild aus Raumfahrt, Weltall, Astronomie.

3.2.08 12:47


Gedankenspaziergang

Und jetzt, einfach so, möglicherweise der Frühlingsstimmung geschuldet, lade ich den geneigten Blogbesucher zu einem gedanklichen Spaziergang ein. Bei dem ich gerne mein Lieblingsbild von Lovis Corinth betrachten würde, „in echt“ ... um anschließend über die Ile St. Louis zu schlendern. Den Frühling spürend, Eis essend bei Berthillon , später vielleicht auf der Dachterrasse des Institut du Monde Arabe sitzen, Mokka trinkend den grandiosen Blick über Paris genießend.

"Mein“ Paris durchstöbernd, das ich damals mit Mitte Zwanzig mit lausig wenig Geld in der Tasche für mich entdeckt habe – und sehr liebe. In der Galerie Agathe Gaillard Originale von Cartier-Bresson und vielen anderen Photographen durchstöbern. Gleich nebenan im charmanten Restaurant L’Ebouillante einen Tee trinken, bei Mariage Frères eine Ecke weiter Tee kaufen. Zu Abend essen im „Chez Marianne“, einem winzigkleinen koscheren Restaurant im jüdischen Viertel von Paris. Die besten Falafel der Welt gibt’s da. Das Dessert dann gegenüber bei Finkelsztajn kaufen, Sacha Finkelsztajn und seine Patisserie sind beliebt bei tout Paris. Auch Woody Allen schätzt übrigens die kleinen Leckereien aus der „Boutique Jaune“. Man darf fast alles probieren – und ich finde es am schönsten, ein kleines Schächtelchen mitzunehmen, um bei passendem Wetter abends auf der Ile de la cité zu flanieren, auf einer der Bänke an der Seine zu sitzen und genüsslich am Inhalt des Schächtelchens zu knabbern.

Und für einen zweiten Tag fiele mir dann auch ein passender Spaziergang ein: Ein Besuch in der Pinacothèque , 30 rue du Paradis, die eine Ausstellung über Man Ray zeigt. Nicht zu vergessen: Gegenüber, im Haus n° 18 rue du Paradis vorbeischauen, dort prachtvolle Jugendstil-Fayence-Kacheln der Jahrhundertwende bewundern. Mit der Métro weiter nach Norden fahren – um am stillen Canal Saint-Martin entlang zu schlendern. Vorbei am berühmten Hotel du Nord, dessen geplanter Abriss vor Jahren für Entrüstung sorgte und daher ganz fix wieder vom Tisch war: Marcel Carné hat in den 30er Jahren dort seinen Film gleichen Namens gedreht. Nicht ganz so bekannt wie sein Film "Die Kinder des Olymp" - aber nicht minder sehenswert. Vielleicht auch die renovierten Räume des Hauses bewundern, dort eine Pause einlegen ... um später mit der Métro zurück zu fahren, dann in den Buchantiquariaten der Rive Gauche zu stöbern. Mit den Trouvaillen eine Pause im Café „La Palette“ in der rue de Seine einlegen, wo schon Cézanne und Braque gerne einkehrten.

Und ganz sicher: Das Hotel Des Grandes Ecoles mitten im Quartier Latin ist für mich das schönste Hotel in ganz Paris. Ruhig, mitten in einem kleinen Park gelegen, traumhaft. Morgens vom Gezwitscher der Vögel in den hohen alten Bäumen aufwachen, die Blümchen auf der Tapete zählen, ein vorwitziger Sonnenstrahl schlüpft durch die Vorhänge und kitzelt einen an der Nase. Frühstück auf der Terrasse, knirschenden Kies unter den Füßen, Kaffee und Croissants, eine Zeitung dazu, die Morgensonne im Gesicht, himmlisch. Ein kleines Paradies mitten im Großstadttrubel.

2.2.08 10:58


Bildung

"Bildung ist ein unentreißbarer Besitz." ... behauptet der griechische Dichter Menander. Eine kürzlich gesehene Ausstellung erinnerte mich an diesen Satz in eindrucksvoller Weise: Zeichnungen aus dem Warschauer Ghetto, ergänzt durch das handgeschriebene, illustrierte Faksimile von Kästners „Lyrischer Hausapotheke“. Das von den Nazis verbotene Werk schenkte Teofila Langnas damals ihrem späten Mann Marcel Reich-Ranicki.

Manchmal habe ich allerdings leichte Anflüge von so etwas wie "Kulturpessimismus" und disputiere über Bildung: Nicht als Ansammlung angehäuften Wissens, keinesfalls als stumpfes, stupides Auswendiglernen. Bildung wird überaus spannend, führt erst zu Weiterentwicklung und Wachstum, wenn man das Gelernte dazu nutzt, Rückschlüsse zu ziehen, zu interpretieren, neue Konstrukte zu schaffen. Dazu gehört nicht nur bloßer Intellekt; unabdingbar bedarf es steter Neugier, emotionaler Klugheit, Lebenserfahrung, Humor.

Bleibt Bildung in der bloßen Wissensansammlung stecken, ist sie zuverlässig tot: Ambitionierte Wissensvermittler auf der einen Seite, vielfach desinteressiertes und lustloses Publikum auf der anderen Seite, bestenfalls karriereorientiertes Fachidiotentum. Keine Brücke zwischen den beiden Seiten, die einen gemeinsamen Weg, einen lebendigen Diskurs in gegenseitiger Ergänzung ermöglichen würde. Aneinander vorbei redend, nebeneinander ins Leere laufend, beide letztlich gescheitert – gründlich und auf äußerst hohem Niveau.



1.2.08 08:49


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